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Fachgespräch und Konferenz zu „Antiziganismus und Film”

 21.02.2018 14:00

 Landesvertretung Bayern, Behrenstraße 21/22, 10117 Berlin und Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma – Berliner Büro, Aufbau Haus, Prinzenstr. 84.2., 10969 Berlin

Eine gemeinsame Veranstaltung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, der Gesellschaft für Antiziganismusforschung und dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Kooperation mit der Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg und dem goEast Festival in Wiesbaden und Frankfurt.

Thema und Hintergrund

Das Thema Antiziganismus und Film ist hochaktuell und eine tiefergehende Auseinandersetzung und Debatte dazu steht bislang aus. In den letzten Monaten gab es größere öffentliche Aufmerksamkeit und kritische Debatten zu gleich drei aktuellen Kinoproduktionen. Zum einen die inhaltliche Ausrichtung des Kinder- und Jugendfilms „Nellys Abenteuer” wie auch seine Produktionsbedingungen, die auf Einladung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma bei einem Fachgespräch am 14. September in Berlin kontrovers diskutiert wurden.  Zum anderen der französische Film „À bras ouverts” („Hereinspaziert”), der bereits Anfang des Jahres in Frankreich eine Debatte über Rassismus im Kino auslöste und nun auch in Deutschland und Österreich stark kritisiert wird. Auch die Besetzung einer männlichen Hauptrolle in der geplanten Verfilmung von Mikey Walsh’s Memoiren „Gypsy Boy” mit Benedict Cumberbatch hat in Großbritannien eine Diskussion über „whitewashing” im Kino angefacht.

Bereits seit Jahren ist das Thema „Roma” und damit in vielfältiger Weise auch das Thema „Antiziganismus” in der Filmbranche präsent. Filme wie „Epizoda u životu berača željeza” („Aus dem Leben eines Schrottsammlers”), „Csak a szél” („Just the wind”) oder „Aferim!” erlangten Preise auf den großen Filmfestspielen. Aufwendige Kinoproduktionen wie „Sherlock Holmes: A Game of Shadows” („Sherlock Holmes: Spiel im Schatten”) oder „Chocolat” („Chocolat – Ein kleiner Biss genügt”) bemühen antiziganistische Stereotype und verschiedenste Fernsehproduktionen der letzten Jahre und Jahrzehnte setzen sich gewollt oder ungewollt mit diesem Themenfeld auseinander. Erinnert sei nur an die kontroversen Diskussionen zu den Tatort-Folgen „Armer Nanosh” (1989) und „Brandmal” (2008). Filme, die explizit aus einer Romani-Perspektive produziert und erzählt werden, schaffen es hingegen selten über den Status des ‚Nischenfilms’ hinaus.

 

Vorläufiges Programm

Fachgespräch: Die Ethik des Filmemachens: von, mit oder über Sinti und Roma

Datum: 21. Februar 2018, 14 – 17 Uhr
Veranstaltungsort: Landesvertretung Bayern, Behrenstraße 21/22, 10117 Berlin

2017 wurden eine Reihe aktueller Filme, die zum Teil aus Steuergeldern über die Filmfördereinrichtungen finanziert und in den öffentlich-rechtlichen Anstalten gesendet wurden, massiv kritisiert aufgrund ihrer antiziganistischen Inhalte.  Die Auftaktveranstaltung in der Bayerischen Landevertretung wird den ethischen Dimensionen im Verhältnis von Filmemachen und Minderheit nachgehen. Das Eingangsstatement gibt Peter Nestler, der schon 1970 in seinem Dokumentarfilm „Zigeuner sein“ den verschwiegenen und verleugneten NS-Völkermord an den Sinti und Roma thematisierte und den Überlebenden eine Stimme gab.

Konferenz: Antiziganismus und Film

Datum: 22. – 23. Februar 2018
Veranstaltungsort: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma – Berliner Büro, Aufbau Haus, Prinzenstr. 84.2., 10969 Berlin

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Antiziganismus und Film ist bisher mehr als randständig geblieben. Eine systematische Analyse, die insbesondere die Entwicklungen des europäischen Kinos der letzten zehn Jahre einschließt, liegt in weiter Ferne. Die internationale Tagung soll dazu beitragen, Grundlagen zu schaffen, auf dessen Basis sich die Antiziganismusforschung sowie die Filmwissenschaften kritisch mit den Themen „Roma” und „Antiziganismus” im Film aus verschiedenen Perspektiven auseinandersetzen kann. Zudem soll ein Austausch derjenigen Wissenschaftler_innen, die sich bereits kritisch mit Aspekten des Themenfeldes befassen, gefördert werden.

 

Geplante Panels sind:

Panel 1: Analyseansätze für Antiziganismus in Filmen
Panel 2: Spielfilm und Geschichte
Panel 3: Ursprünge in Literatur und bildenden Künsten
Panel 4: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Panel 5: Gut gemeint ist nicht gut gemacht: Wirkung und Rezeption von Filmen (Englisch)
Panel 6: Narrative Muster und filmische Mittel (Englisch)
Panel 7: Film als Emanzipatorische Praxis

Gefördert wird die Veranstaltung von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms „Demokratie Leben!“, der Freudenberg Stiftung und der Antonio Amadeo Stiftung.

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KONTAKT

Jana Mechelhoff-Herezi
Leitung Erinnerung an Sinti und Roma
Telefon: 030 – 26 39 43 29
E-Mail: jana.mechelhoff-herezi[at]stiftung-denkmal.de

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